cubes with the word "news" on a newspaper

NEuigkeiten

Aktuelle Nachrichten im Überblick 

Klimaschutz

Wasser im Wandel: Erkenntnisse aus dem Wasseratlas und regionale Einordnung für die Verbandsgemeinde Lingenfeld


Wasser ist eine unserer wichtigsten Ressourcen und gleichzeitig zunehmend unter Druck. Der Wasseratlas 2025 macht deutlich, dass Klimawandel, sinkende Grundwasserstände und häufigere Extremwetterereignisse auch Deutschland vor große Herausforderungen stellen. Doch wie ist die Situation im Versorgungsgebiet der Verbandsgemeinde Lingenfeld? Welche Auswirkungen sind bereits spürbar und wie bereitet man sich auf die Zukunft vor?

Übersicht: Schnellstart


Wasserverbrauch: Haushalte, Landwirtschaft, Industrie

Quelle: Wasseratlas 2025, S.22 - Wasser als Ware

Der Wasserverbrauch verteilt sich auf verschiedene Bereiche, wobei Haushalte, Landwirtschaft und Industrie die größten Nutzer sind. In Deutschland verbrauchen private Haushalte durchschnittlich 121 Liter Trinkwasser pro Person und Tag. Der größte Anteil wird für die Körperpflege (36 %) und die Toilettenspülung (27 %) genutzt. Im Vergleich zu 1991 ist der tägliche Wasserverbrauch pro Person um 23 Liter gesunken.Weltweit ist die Landwirtschaft der größte Wasserverbraucher

Rund 72 % des genutzten Süßwassers werden für die Bewässerung von Feldern und die Produktion von Nahrungsmitteln eingesetzt. Durch den Klimawandel mit häufigeren Dürren und längeren Trockenperioden steigt der Wasserbedarf in der Landwirtschaft weiter an. 

Der Wasseratlas betont deshalb die Bedeutung wassersparender Bewirtschaftungsmethoden und einer nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen. Auch die Industrie benötigt sehr große Wassermengen. Nach Angaben des Wasseratlas verbrauchen Kohle-Tagebau, Chemieunternehmen und die Nahrungsmittelindustrie zusammen mehr Fluss- und Grundwasser als alle privaten Haushalte in Deutschland. 


Allgemeine Wasserversorgung in der Verbandsgemeinde Lingenfeld

Lokale Entwicklung des Wasserhaushalts

Infrastruktur und Versorgungssicherheit

Wasserqualität und Belastungen

Die Wasserqualität in Deutschland ist trotz zahlreicher Schutzmaßnahmen vielerorts unzureichend. Nur etwa 8 % der Flüsse und rund 25 % der Seen befinden sich in einem ökologisch guten Zustand. Hauptursachen dafür sind Schadstoffe aus Landwirtschaft, Industrie und Haushalten. Besonders problematisch sind Nitrate und Pestizide aus der Landwirtschaft, die ins Grund- und Oberflächenwasser gelangen. Hinzu kommen Mikroplastik, Arzneimittelrückstände sowie langlebige Industriechemikalien wie PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), die wegen ihrer extrem langsamen Abbaubarkeit auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden. Diese Stoffe gefährden Ökosysteme, die Artenvielfalt und können auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen. Als technische Maßnahme zur Verbesserung der Wasserqualität wird der Ausbau von Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe diskutiert. Diese zusätzliche Reinigungsstufe kann Mikroplastik, Arzneimittelrückstände und andere schwer abbaubare Schadstoffe deutlich besser aus dem Abwasser entfernen. Auch in der Verbandsgemeinde Lingenfeld wird dieser Weg eingeschlagen. Die Erweiterung der Kläranlage Schwegenheim um eine vierte Reinigungsstufe befindet sich derzeit in der Planung. Damit wird ein wichtiger Schritt unternommen, um den Gewässerschutz zu stärken, die Wasserqualität langfristig zu verbessern und den steigenden Anforderungen an eine moderne Abwasserreinigung gerecht zu werden.

Quelle: Wasseratlas 2025, S.20 - Ganz schön viel auf einmal - Typen von Wasserschmutzung

Wasserqualität im Versorgungsgebiet der Verbandsgemeinde Lingenfeld


Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserkreislauf

Der Klimawandel führt in Deutschland zu häufigeren Dürren, Starkregen und Hochwasser. Moore und Auen sind deshalb besonders wichtig, weil sie große Mengen Wasser speichern, Schadstoffe filtern und bei Starkregen wie ein natürlicher Schwamm wirken. Sie schützen Siedlungen vor Überschwemmungen und fördern die Neubildung von Grundwasser.Außerdem leisten Moore und Auen einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Artenschutz. Moore speichern große Mengen CO₂ und helfen so, die Erderwärmung zu bremsen. In Deutschland sind jedoch nur noch 2 % der Moore und 1 % der Auen in einem naturnahen Zustand. Durch Entwässerung, Flussbegradigungen und die Versiegelung von Böden gingen viele dieser Lebensräume verloren. Dadurch steigt die Hochwassergefahr und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum.Deshalb sind die Wiedervernässung von Mooren, die Renaturierung von Flüssen und der Schutz von Auen wichtige Maßnahmen. Sie verbessern den Wasserhaushalt, speichern CO₂, fördern die Artenvielfalt und helfen dabei, die Folgen des Klimawandels zu verringern.

Quelle: Wasseratlas 2025, S.17 -Abgedichtete Böden steigern Hochwasser

Klimawandel und Niederschlag

  • Redaktion: Wie beeinflusst die menschgemachte Klimaerwärmung den Niederschlag und die Verfügbarkeit von Wasser?

    Maximilian Schneider: Für Rheinland-Pfalz und den Landkreis Germersheim in dem unsre Verbandsgemeinde liegt geht laut Prognosen die Menge an Niederschlag kaum zurück. Was sich allerdings ändert ist die Art, wie er fällt, nämlich vermehrt als kurze Starkregenereignisse und nicht mehr beständig über eine längere Zeit. Das kann zu schwer vorhersagbaren Hochwasserereignissen führen, wenn viel Wasser auf trockene Böden fällt, die aufgrund Ihrer fettliebenden Eigenschaft dann kaum Wasser aufnehmen können. Das kann in Einzelfällen zur Abtragung des fruchtbaren Oberbodens (Erosion) führen. Gerade in intensiv genutzten landwirtschaftlichen Räumen mit wenig Gehölzpflanzen ist das ein Problem. Andernorts gibt es erprobte Agroforstsysteme mit denen dem entgegengewirkt wird. Ein anderer Faktor ist die saisonale Verschiebung der Niederschläge, diese führt zu feuchteren Winterhalbjahren und trockeneren Sommern. Kombiniert mit den höheren Temperaturen im Sommer kann dies eine Dürre der Böden verursachen. Ohne Tiefbrunnen oder vermehrter Oberflächenwasserentnahme ist Ackerbau dann kaum noch möglich.

Umgang mit Starkregen und Hochwasser

Viele weitere Informationen rund um das Thema Starkregen- und Hochwasservorsorge finden Sie auf unserer Homepage unter Hochwasser und Starkregen | Verbandsgemeinde Lingenfeld ( https://www.vg-lingenfeld.de/rathaus-politik/verwaltung/katastrophenschutz/hochwasser-und-starkregen/)

Bedeutung naturnaher Landschaften für den Wasserrückhalt

  • Redaktion: Gibt es in der Verbandsgemeinde renaturierte Feuchtgebiete oder Auen? 

    Maximilian Schneider: Renaturierte Feuchtgebiete selbst gibt es in der Verbandsgemeinde Lingenfeld nicht. Im Bereich der Auen des Lingenfelder Altrheins, der Teil des Landschaftsschutzgebiets „Pfälzer Rheinauen“ ist, soll eine Instandsetzung der Entwässerungsgräben stattfinden, sowie eine zukünftig regelmäßige Unterhaltung bzw. Pflege dieser Gräben. Diese Maßnahme wirkt sich positiv auf den Hochwasserschutz sowie auf das verfügbare Wasser für die Vegetation (Flora) und die Tierwelt (Fauna) aus und soll den Lebensraum (Habitat) für schützenswerte Arten sichern. 

  • Redaktion: Sind Maßnahmen zur Wiedervernässung oder ökologischen Aufwertung von Flächen geplant oder umgesetzt worden?

    Maximilian Schneider: Zukünftig soll eine Wiesenbewässerung mithilfe von künstlicher Intelligenz auf den Flächen der Ortsgemeinde Lustadt durchgeführt werden. Andere Kommunen in der Verbandsgemeinde haben keine geplanten Vorhaben anstehen. Eine aktuell laufende ökologische Aufwertung in Form einer Renaturierung betrifft die Ortsgemeinde Weingarten (Pfalz), hier soll ein Teil des Hainbaches aufgewertet werden. Veränderungen des Bachlaufes, Bachbettes und der Vegetation sind hier geplant. 

    Das Bundesamt für Gewässerkunde führt in Kooperation mit Bundes- und Landesämtern die Pegelstände und Abflussmengen des Grundwassers und der Oberflächengewässer zusammen und stellt eine Plattform zu Verfügung, die aktuelle Wasserstände und Mengen anzeigt, das Niedrigwasserinformationssystem:



Quellen: 

  • Wasseratlas 2025, Heinrich-Böll-Stiftung und BUND
  • Infografiken: Eimermacher/stockmarpluswalter, Lizenz: CC BY 4.0
  • www.boell.de/wasseratlaswww.bund.net/wasseratlas
  • Die aufgeführten Informationen basieren auf Auswertungen aus dem Wasseratlas 2025 (Heinrich-Böll-Stiftung/BUND) und geben einen Überblick über zentrale Fakten und aktuelle Entwicklungen im Umgang mit der Ressource Wasser.
  •  Schriftliche Beantwortung der Interviewfragen durch Rüdiger Butz (Werkleiter und Fachbereichsleiter „Kommunale Betriebe und Unternehmen“), Steffen Andres (Stabsstelle für Brand- und Katastrophenschutz) und Maximilian Schneider (Klimaschutzmanager).
  • Redaktionell überarbeitet von Jana Hinderberger (Stabstelle Digitalisierung und Öffentlichkeitsarbeit) und Maximilian Schneider (Klimaschutzmanager).

Das könnte Sie auch interessieren: