Fettabscheider – Alles Wichtige auf einen Blick

Hobbyköche und -köchinnen wissen, welche Mengen an Fetten und Ölen in einer privaten Küche anfallen – und welche Herausforderungen die Beseitigung dieses Fett- und Ölschmutzes bedeuten kann. In der Gastronomie sowie in lebensmittelverarbeitenden Betrieben steigen diese Herausforderungen jedoch erheblich. 



  • 1. Was ist ein Fettabscheider? 

    Ein Fettabscheider ist ein technisches Gerät, das in Küchen von Gastronomiebetrieben, Hotels, Kantinen oder Lebensmittelverarbeitungsbetrieben eingesetzt wird. Er dient dazu, Fette, Öle und andere absetzbare Stoffe aus dem Abwasser zu entfernen, bevor dieses in die öffentliche Kanalisation gelangt.

  • 2. Warum sind Fettabscheider notwendig? 

    • Fett- und ölhaltiges Abwasser darf nicht ungefiltert in das öffentliche Kanalnetz gelangen; solches Abwasser muss vor der Einleitung gereinigt werden.
    • Bei fehlender Vorreinigung lagern sich Fette und Öle in den Rohren ab.
    • Dadurch wird das öffentliche Abwassersystem belastet.
    • Auch die Funktion der Kläranlagen kann dadurch stark beeinträchtigt werden.
  • 3. Welche Probleme entstehen bei nicht fachgerechter Entsorgung von öl- und fetthaltigen Stoffen?

    • Verstopfung von Rohrleitungen durch Fettablagerungen
    • Rückstau und unangenehme Geruchsbildung
    • Gärprozesse in Leitungen bilden aggressiver Fettsäuren
    • Korrosion an Rohren und Infrastruktur
    • Beeinträchtigung von Kläranlagen durch Störungen im biologischen Reinigungsprozess

Betroffene Betriebe und Branchen:  

Layout 1
  • Funktionsprinzipien, Typen und Installationsparameter von Fettabscheidern

    Vereinfacht gesagt, arbeiten Fettabscheider nach dem Prinzip der Schwerkraft. 

    • Stoffe und Substanzen, die eine höhere Dichte als Wasser aufweisen, sinken nach unten
    • leichtere Substanzen, wie Öle und Fette, steigen nach oben.
    • Im Fettabscheider wird 
      • die Strömungsgeschwindigkeit wird durch den vergrößerten Querschnitt (im Vergleich zur Rohrleitung) reduziert
      • die schwereren Bestandteile (Essensreste, Schmutz- und Schlammteile, etc.) sinken in den Boden des Fettabscheiders ab, in den sogenannten Schlammfang
      • Die leichteren Öle und Fette sammeln sich im oberen Bereich des Fettabscheiders und werden dort zurückgehalten. 
      • Das vorbehandelte Abwasser kann anschließend in die Kanalisation abfließen.

    Grundsätzlich lassen sich drei Kategorien von Fettabscheidern unterscheiden 

    • freistehende Modelle
    • mobile Modelle 
    • Modelle zum Einbau ins Erdreich 

    Unabhängig vom Typ sind in Deutschland nur Fettabscheider zulässig, deren Konstruktion, Fertigung, Prüfung, Bemessung, Installation und Betrieb den europäischen Normen (DIN EN 1825) entsprechen.

    Die Nenngröße 

    • gibt an, wie viel Abwasser maximal in den Fettabscheider eingeleitet werden darf und zeigt somit die Leistungsfähigkeit des Geräts an. 
    • Sie ist entscheidend dafür, ob der Fettabscheider für die jeweiligen betrieblichen Anforderungen geeignet ist.
    • Die Menge des zu behandelnden Schmutzwassers und wird in Litern pro Sekunde (Volumenstrom) angegeben. 


    Durch die Vielzahl der Modelle und Einsatzbereiche, ist eine ausführliche Beratung und Planung bei der Installation wichtig.

  • Generelle Anforderungen

    • Der Einbau von Fettabscheidern unterliegt einer Anzeigepflicht.
    • In Räumen, in denen Speisen zubereitet werden, sind Fettabscheider unzulässig.
    • Fettabscheider für den Erdeinbau sind außerhalb von Gebäuden zu installieren, in bestmöglicher Nähe zu der Stelle, an der das Schmutzwasser anfällt.
    • Mobile Fettabscheider sind nur für sogenannte „fliegende Bauten“ erlaubt (Definition gem. § 76 Musterbauordnung (MBO)).
    • Frei aufzustellende Fettabscheider müssen in frostfreien Räumen installiert werden.
  • Regelmäßige Reinigung

    Die turnusmäßige Reinigung von Fettabscheidern umfasst vier Schritte:

    1. Abpumpen des Fettabscheider-Inhaltes
    2. Innenreinigung des Behälters
    3. Neubefüllung des entleerten Abscheiders und Schlammfangs mit Frischwasser
    4. Reinigung der Probenahmeeinrichtung (bzw. des Probenschachtes)

    Die Entleerungsintervalle sind gemäß DIN 4040-100 zu wählen. Beachten Sie auch kommunale Regelungen. 

  • Wartung und Generalinspektion

    Neben den Maßnahmen der Eigenkontrolle müssen Fettabscheider einmal pro Jahr durch einen Sachkundigen gewartet werden (DIN 4040-100).

    zusätzliche Wartungsarbeiten

    1. Kontrolle der Innenwandflächen, Einbauteile und Beschichtungen. Inaugenscheinnahme auf erkennbare Schäden und Auffälligkeiten.
    2. Funktionskontrolle der elektrischen Einrichtungen und Installationen, sofern vorhanden
    3. unverzügliche Beseitigung der festgestellten Mängel

    Generalinspektion für Abscheideranlagen 

    1. erstmalig unmittelbar vor der Inbetriebnahme des Abscheiders 
    2. danach regelmäßig im Abstand von höchstens fünf Jahren zu erfolgen.


    Die Generalinspektion darf dabei weder durch den Betreiber noch den Installateur oder Hersteller der Abscheideranlage durchgeführt werden.

  • Weiterverwertung von Fetten

    Hobbyköche und -köchinnen können die vergleichsweise kleinen Mengen, etwa an Frittierfett, schlicht und einfach über den Restabfall entsorgen. Zu beachten ist für Privathaushalte lediglich, dass das Fett sicher verpackt ist (etwa in einem festverschlossenen Behältnis oder eingewickelt in Papier) und es tatsächlich auch im Restmüll und nicht auf dem Kompost oder in der Biotonne landet.

    Für den gewerblichen Bereich wird das Fettwassergemisch aus den Fettabscheidern 

    • mit kombinierten Saugdrucktankwagen spezialisierter Unternehmen abgepumpt und 
    • anschließend dem Fettrecycling zugeführt.

    Positive Aspekte des Recyclings

    • Altes Brat- und Frittierfett hat ein hohes Energiepotenzial und ist bestens geeignet für die thermische Verwertung.
    • Diese Fette eignen sich bestens als Basis für die Herstellung von Biodiesel. 
    • Gegenüber konventionellem Diesel reduziert sich der Ausstoß von CO2
      • bei auf Ölpflanzen basierendem Biodiesel um 50 bis 60 Prozent 
      • bei Biodiesel aus alten einschlägigen Fetten sogar bis zu 90 Prozent. 

    Was quasi jeden Straßenimbiss zum ökologisch wertvollen Treibstofflieferanten macht.

  • Rechtliche Hinweise  und Verpflichtungen

    Bevor Sie einen Fettabscheider auswählen, planen oder bemessen, sollten Sie die wichtigsten gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien beachten. 

    Es ist wichtig, diese Vorschriften zu kennen und zu beachten, um sicherzustellen, dass der Fettabscheider den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

    Dazu gehören unter anderem

    • DIN 1986-100 – Anforderungen an Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke und und grundlegenden Einsatzbedingungen 
    • DIN 4040-100 -  Anwendungsbestimmungen für Abscheideranlagen für Fette
    • DIN EN 1825 -  Abscheideranlagen für Fette - Teil 1: Bau-, Funktions- und Prüfgrundsätze, Kennzeichnung und Güteüberwachung
    • Wasserhaushaltsgesetz (WHG), § 57 und 58– Anforderungen an das Einleiten von Abwasser 
    • Indirekteinleiter-Verordnung (IndEfinIdo) 
    • Landesbauordnungen (LBO)
    •  Allgemeine Entwässerungssatzung der Verbandsgemeindewerke Lingenfeld, §12 Abs. 2 – Grenzwerte und Bedingungen für die Einleitung von Abwasser.

    Gemäß § 12 Abs. 2 der Allgemeinen Entwässerungssatzung der Verbandsgemeindewerke Lingenfeld: „Auf Grundstücken, auf denen Fette […] in das Abwasser gelangen können, sind […] Vorrichtungen zur Abscheidung dieser Stoffe aus dem Abwasser (Abscheider mit dazugehörigen Schlammfängen) nach dem Stand der Technik zu betreiben, zu unterhalten und bei Bedarf zu erneuern.“ 

  • Technische Bestimmungen

    • DIN EN 1825-1: Abscheideranlagen für Fette – Teil 1: Bau-, Funktions- und Prüfgrundsätze, Kennzeichnung und Güteüberwachung
    • DIN EN 1825-2: Abscheideranlagen für Fette – Teil 2: Wahl der Nenngröße, Einbau, Betrieb und Wartung
    • DIN 4040-100: Abscheideranlagen für Fette – Teil 100: Anforderungen an die Anwendung von Abscheideranlagen nach DIN EN 1825-1 und DIN EN 1825-2
    • DIN EN 1717: Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen sowie allgemeine Anforderungen an Sicherheitseinrichtungen zur Verhinderung von Rückfließen (Technische Regel des DVGW)
    • DWA - DVWK - M 767: Abwasser aus der fleischverarbeitenden Industrie
    • DWA - DVWK - M 768: Abwasser aus der Fischindustrie
  • Rechtliche Bestimmungen

    Die DIN 4040 gibt klare Vorgaben für den konstruktiven Aufbau und die Dimensionierung der Anlagen, insbesondere für:

    • Das Mindestvolumen des Schlammfangs
    • Das Mindestvolumen des Fettabscheiders
    • Das Mindestvolumen des Fettsammelraums
    • Die Mindestoberfläche des Fettabscheiderraums
    • Die Trennung des Schlammraums vom Fettabscheider